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Erfahrungen einer Israel-Tour in Stichworten

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Unsere 3 Wochen-Tour durch Israel hat uns zusammenfassend sehr gut gefallen, vor allem die Tage, die wir im Negev verbrachten gehören zu den eindeutigen 'highlights'. Daher würde ich Israel auch durchaus weiter als Radtour-Ziel empfehlen, allerdings mit ein paar Einschränkungen, die ich hier kurz aufführen möchte:

1. Verkehr:
Im isrealischen Verkehr sind Radfahrer nicht vorgesehn und kommen eigentlich auch nicht vor. Der gesammte Grossraum Tel Aviv, der sich weit die Küste entlang zieht, ist eine einzige Katastrophe, immer wieder landet man ohne Alternative auf Autobahn-Seitenstreifen, wo das Fahren zwar nicht ausdrücklich verboten ist, aber das ist auch alles, was sich Positives dazu sagen läßt.
In den übrigen Teilen des Landes (die wir befahren haben) waren die Bedingungen trotzdem nicht schlecht bis sogar gut zu nennen. Die Strassen sind in gutem Zustand und haben zwar keinen Radweg, wie man sich denken kann, dafür aber gewöhnlich auf beiden Seiten einen ordentlichen Standstreifen, der sich problemlos als solcher verwenden läßt. Der Verkehr ist meist erträglich, im Negev sogar nur gering, schlechter wird es manchmal auf der 'Rennstrecke' Eilat - Totes Meer im Wadi Araba. Dort fahren viele schwer mit Salz beladene LKWs, aber auch Busse und Privatautos können schon nervend sein.
Spezialfall: Ankunft mit dem Flugzeug auf dem Ben Gurion - Flughafen in Tel Aviv -
Der Flughafen liegt ca. 22 km ausserhalb der Stadt. Dort scheint es keine Übernachtungsmöglichkeit zu geben (vielleicht irgendwo ein Luxushotel?), man fährt also notgedrungen selbst mitten in der Nacht noch in die Stadt hinein. Wir haben diese Strecke mit dem Rad zurückgelegt, was nicht mehr und nicht weniger beweist, als daß man es überleben kann.
Empfehlen kann ich es nicht, selbst wenn der Abend noch so schön (Vollmond und laues Lüftchen) und die Starße zunächst gar nicht so schlimm aussieht. Laßt euch nicht täuschen, daß ist nur der Zubringer, es folgen 20 km reine Autobahn ohne die geringste Gnade! Also lieber ein Taxi nehmen. 
 

2. Militär

Die israelische Armee hat den Negev gewissermassen flaechendeckend zum Truppenübungsplatz ernannt. Immer wieder stehen zu beiden Seiten der Strecke Schilder, die 'Firing Zones' ankündigen, im Schnitt gleich für die nächsten 30-40 km. In diese darf man selbstverständlich keinen Fuß setzten, Panzerspuren oder auch noch deutlichere Spuren der Militärpresenz machen auch gar keinen Appetit darauf. Peinlich ist natürlich allabendlich die Frage, wo Zelten, ohne erschossen zu werden? Man hat wenig Auswahl, aber es gibt 2 Grundregeln, die ein wenig helfen:
a.: Kibbuzland unterbricht jede Firing zone, auch wenn diese angeblich erst nach 40 km endet. Dort kann man nach Unterkunft fragen, wird aber meist nicht gerade mit offenen Armen empfangen. Irgendwo etwas abseits einfach zelten läßt sich aber eigentlich fuer eine Nacht immer vertreten, ohne dass man sich um die Rambos sorgen machen muß.
b.: In oder bei National Parks wird natuerlich ebenfalls nicht geballert. Man kann z.b. im Mitzpe Ramon Krater sehr schoen zelten oder in der Naehe von Timna Park (in Timna Park ging auch wieder nicht, obwohl ein Campingplatz vorgesehen war)
Manchmal gibt es natuerlich sogar echte Zeltplätze, wie z.B. in En Gedi oder in Eilat am Roten Meer.

Allgemeine Tips:

Landkarten: Es gibt sehr gute Landkarten vom Israelischen Umweltschutzverband, manche sind für Radfahrer schon wieder zu genau, wegen des zu dataillierten Maßtabes. Wir hatten zwei Karten, die den Süden gut abdeckten und auch die Topographie gut erkennen ließen. Wie in vielen Ländern der Welt, sind erst recht in israelischen Karten keine militärischen Einrichtungen verzeichnet. Das ist sehr ärgerlich (nicht nur für Spione), weil man partout nicht im Vorraus die Lage der reichhaltigen Schießplätze ausmachen kann. Nach einiger Zeit rechnet man in Israel am besten mit der potentiellen Allgegenwart des Militärs, damit liegt man der Wahrheit am nächsten.

Ausrüstung/ErsatzteileUnterkunft...:

Es eignet sich jedes einigermaßen tourentaugliche Fahrrad, da 95% der Straßen, die man fährt, gut asphaltiert sind. Wer auch mal eine reine Wüstenpiste mit Spaß fahren möchte (und das ist unbedingt zu empfehlen), der sollte schon ein Mountain-Bike haben.
In Städten wie Tel Aviv gibt es gute Fahrradgeschäfte, wir haben es jedoch nicht geschafft einen bereits bei Ankunft gebrochenen 'low rider' zu ersetzten. Es Zelt ist sehr zu empfehlen - wenn man dem Militär erstmal entkommen ist, gibt es kaum etwas beeindruckenderes als Nächte in der Wüste. Natürlich muß man sein eigenes Wasser in ausreichender Menge mitnehmen, allerdings ist es gewöhnlich kein Problem jeden Tag frisches Wasser zu organisieren. Wir hatten je 2 0.7 Liter Trinkflaschen am Rad, zusätzlich für Zeltabende in der Wüste einen faltbaren 2,5 Liter Wassersack. Das war in jeder Lage ausreichend.
Enttäuschend war für uns die nur geringe Gastfreundlichkeit der Kibbuzze. Zwar gibt es in vielen Übernachtungsmöglichkeiten, allerdings sind die Zimmer wohl recht teuer. Wir haben beim Kibbuz Rivivim in einem Dattelpalmenhain übernachtet, was uns eine freundliche Kibbuzbewohnerin nach einigem hin und her schliesslich ermöglicht hatte. In einem weiteren Kibbuz wurden wir von einem hilf- und phantasielosen Soldaten am Eingang wieder weggeschickt, der keine 2 Worte Englisch sprach, aber schließlich irgendwie telefonisch herausgefunden hatte, daß keine Zimmer frei seien. Unser Wunsch irgendwo unauffällig ein kleines Zelt für eine Nacht aufzubauen traf auf soviel Unverständnis, daß wir uns nicht weiter abmühten und Kibbuz-Anfragen dieser Art ganz von der Übernachtungsliste gestrichen haben.
In den Städten (Tel Aviv, Jaffa, Mitzpe Ramon, Eilat, Jerusalem) bekommt man ohne Probleme einfache Hotel-/Hostel-zimmerchen.
Anreise: Wir sind mit ARKIA (Tocher von EL AL) von Köln/Bonn aus geflogen und fanden uns als erste Zwischenstation in Hamburg wieder.Entsprechend dauerte die Gesamtflugzeit. Unglaublich sind die Sicherheitschecks vor dem Hin- wie auch vor dem Rückflug. Ich habe mein Lebtag noch niemanden getroffen, der sich so für jedes kleinste Detail einer meiner Urlaubsreisen interessiert hat, wie die israelischen Sicherheitsbeamten. Die Prozedur grenzt ans Paranoide, muß aber irgendwie durchgestanden werden (nicht zu spät am Flughafen erscheinen!) Die Fahrräder kosteten pauschal 70,- DM (Hin- und Rückflug zusammen).

Wetter/Reisezeit:

Wir haben Israel im Frühjahr besucht, genauer gesagt Ostern 97. Angeblich hatten wir einen 'sehr schlechten' Frühling erwischt, in regulären Jahren sei es im April normalerweise schon viel beständiger und wärmer wurde uns versichert. Zum Radfahren war das Wetter meist sehr angenehm und je weiter wir nach Süden kamen, umso wärmer wurde es natürlich auch. Ernstzunehmenden Regen hatten wir gar nicht. In Jerusalem (liegt auf ca. 800m Höhe!) war es allerdings noch extrem kalt, teilweise erreichten die Tagestemperaturen keine 10 Grad Celsius. Von Reisen im Hochsommer würde ich eher abraten, vor allem in den Süden des Landes oder in den Heizkessel Totes Meer-Senke. Eilat ist auf der anderen Seite klimatisch so gesegnet, dass man dort auch Weihnachten noch gute Chancen auf einen Baeurlaub mitbringt, während es in Jerusalem oder dem Norden zur gleichen Zeit schneit.

Übersichtskarte Israel:



Fragen und Antworten: (aus e-mails anderer Radfahrer)

Ist das campieren in Israel echt so schlimm?
Ich weiss nicht, wie dramatisch sich meine Schilderungen angehoert haben, ich wuerde es jedenfalls zusammenfassen nicht als 'schlimm' bezeichnen, es ist halt nicht immer ganz einfach. Trotzdem haben wir oft gezeltet,es hat meistens sehr viel Spass gemacht und ich wurde auf die naechste Israel-tour auch unbedingt wieder ein Zelt mitnehmen.  Wie gesagt: Das Militaer dort hat einen unglaublichen Platzverbrauch und gebaerdet sich sehr martialisch. Richtig Aerger hatten wir aber nie.
 

Wie sieht es mit Schlangen, Stechmuecken u.a. Plagegeistern aus?
Ich habe weder Schlangen gesehen, noch bin ich von Insekten belaestigt worden, es war allerdings ein sehr kuehles fruehjahr in Israel und in Jordanien war es schon Herbst als wir da waren. In Wuesten ganz allgemein, ist dir vielleicht bekannt, hat man erstaunlicherweise immer wieder mehr oder weniger Aerger mit Fliegen.

Wie hast Du es mit Geld gemacht, wird dort unten EC akzeptiert?
Ich hatte eine VISA-Card dabei und mich einfach gelegentlich an Geldautomaten mit Nachschub versorgt, daer weiss ich gar nicht zu sagen, wie weit Du mit euroscheck kommen wuerdest. Vielleicht nimmst du sicherheitshalber traveller cheques?

Warst Du auch in Palaestinenser Gebieten?
Als wir da waren, waren gerade mal wieder die Palaestinensergebiete gesperrt. Erst ganz zum Schluss haette man hineingekonnt. Wir waren nur in Jericho, die stimmung dort war etwas seltsam, aber durchweg freundlich, wie die israelis ueberhaupt den arabern in puncto Freundlichkeit nicht das Wasser reichen koennen.

Wie aetzend sind die Sicherheitechecks, ich fliege mit El Al, geht ein MSR mit?
Das ist ja das erstaunliche: Wir hatten auch einen Bezinkocher dabei - keine Beanstandungen. In Australien habe ich den schonmal fast bei einem kleinen Inlandsflug zuruecklassen muessen. Auch Werkzeuge, die manchmal kritische Blicke ernten waren kein gegenstand irgendwelcher diskussionen. Statt im gepaeck tatsaechlich nach bomben oder dingen die so aussehen zu suchen, fragen sie dich 10 mal ob deine taschen wirklich von dir gepackt wurden und ob es vielleicht einen unbeobachteten moment gab, in dem jemand eine bombe koennte hineingesteckt haben. Alles in allem sehr zeitraubend, fuer empfindliche naturen vielleicht sogar etwas beaengstigend, sie gehen auch verdammt weit mit der fragerei, wollen zum beispiel wissen, wo du und deine freundin die letzte nacht verbracht haben und so ein mist, der sie eigentlich wirklich nichts angeht. Ist gut wenn man reisefuehrer, karten und beim rueckweg: alte eintrittskarten, quittungen und was weiss ich noch zur Hand hat um die geplante oder gefahrene route in allen einzelheiten zu erlaeutern.

Wie habt Ihr euch verpflegt?
Viel selber gekocht auf einem kleinen Benzin-Kocher, Lebensmittel waren meist leicht zu kaufen, mal sind wir im Wadi Araba essen gegangen, in einer Art Raststaette, aber auch die hatte einen kleinen supermarkt dabei. Auf mehrtaegigen Etappen im Negev mussten wir gelegentlich halt Dosen, Reis etc im Vorraus mitnehmen, aber die Versorgungslage in der ganzen Region ist wirklich sehr unkritisch.

Preisniveau?
Jordanien: preiswert, Israel vielleicht wie bei uns, bisschen billiger was uebernachtungen u.s.w. angeht.

Bringt der internat. Stud.-Ausweis was?
Jein. Man kommt natuerlich in Museen billiger rein, sonst ist mir nichts besonderes begegnet.

Lohnen sich Jugendherbergen?

Ich hab keine gesehen, na wahrscheinlich gibt es in Jerusalem eine, aber dort gibt es auch soviele quasi Jugendherbergen, bin garnicht auf die Idee gekommen sie aufzusuchen.
Uebrigens: ungefragt moechte ich Dir den Lonely Planet als Reisefuehrer ans Herz legen....