


16.11.07
Mutrah
am Abend des ersten Tages.
Auch der
schlimmste Flug geht einmal zu Ende und wir standen mit mehr künstlichem als
echtem Jetlag in der Schlange fürs Geldtauschen und die Visabeantragung. Als
wir endlich beim Gepäckband ankamen, war schon alles da, vor allem aber die
beiden dicken Kisten mit den Fahrrädern. Außer Christines Rücklichtabdeckung
war auch nichts kaputt gegangen.
Mit dem Zusammenbauen ließen wir uns viel Zeit, so dass es bereits 6 Uhr war, als wir endlich das Terminalgebäude mit seiner künstlichen Neon-Nacht verließen. Der erste Eindruck war, wie das meist in solchen Situationen ist, umwerfend!
Der Himmel über den Bergen in zartrosa, die Luft weicht wie Samt und duftend wie ein Blumenfeld. Dazu zwitschernde Vögel in den Wipfeln der Palmen. Bedauerlicherweise hält so etwas meist nicht lange und die ersten Kilometer auf dem Seitenstreifen der Autobahn zeigten uns, wie der Rest des Tages zu einem nicht unerheblichen Teil verlaufen würde. Und diese Fahrt zog sich. Vorbei an Baustellen, namenlosen Hässlichkeiten aus Verwaltung und Wirtschaft, alles eher gruselig. Irgendwo, knapp hinter der größten Moschee des Landes, die wir dummerweise nicht besichtigten, trauten wir uns mal nach links weg und fuhren dann mehr oder weniger direkt neben der Autobahn bleibend auf immerhin wenig befahrenen Straßen. Die hatten aber so ihre Tücken, machten Schlenker aller Art, ließen einen im Ungewissen über den Weg, wo sie nur konnten und mehr als einmal ging es auch gar nicht weiter. Gegen 8 (Morgens!) kamen wir in die Gegend der Edelhotels und dort auch an einen Strand. Das Wasser herrlich klar und frisch, aber Christine bekommt ihren großen toten Punkt und versucht nur noch zu schlafen. Bereits 10 ist es, als wir unseren ersten Coffee Shop Kontakt bekommen, die eisgekühlte Dose Pepsi kostete nur 100 Baisa, das sind 20 Cent! Was zu essen aber finden wir nicht, darüber müssen wir erst bis Mutrah, also ans heutige Ziel gelangen. Vorher sollten wir aber noch so manchen Liter Schweiß vergießen und machen Autobahnkilometer durch wirklich abscheuliche Vorstadthässlichkeit zurücklegen, die mich zu diesem Zeitpunkt beinahe schon verzweifeln lässt. Sollte der Oman doch das falsch gewählte Ziel sein? Erst Mutrah selbst rettet uns aus dieser anstrengenden Sinn-Krise.
Mutrah gut, Hotel gut, alles gut, würde ich den Rest jetzt gerne mal abkürzen und vielleicht Morgen noch einmal zurückkommen auf die Corniche, die sich mit manch' berühmter Promenade messen kann, Miami Beach habe ich eben schon mal mit aller Vorsicht ins Spiel gebracht.
17.11.07
Fast
unterschlagen hätte ich ja den Besuch des kleinen Fischmarkt, der quasi einen
Steinwurf von unserem Hotel entfernt in einer offenen Halle stattfindet. Nicht
nur die zum Teil recht dicken Fische, auch die "Service-Ecke" mit den
Profi-Ausnehmern, hätte eine große Menge Fotomotive hergeben können, wenn wir
nicht zu schüchtern gewesen wären, den Leuten mit der Kamera vor der Nase herum
zu fuchteln.
Heute
stand natürlich Muscat auf dem Plan. Die Autobahn dorthin wurde gerade von
einer Legion von Indern mit Petunien bepflanzt, während der nagelscheren-kurze
Rasen der Seitenstreifen von Wassersprengern in vorschriftsmäßige
Golfplatzqualität gehoben wurde.
Dann der
Sultanspalast! Ich überlege schon den ganzen Tag woran er mich in seiner
Einzigartigkeit bloß erinnert.
Die
Marmorplatten der Gehwege poliert, auf dem Vorplatz kein Staubkörnchen, auch
kein abgewelktes Blütenblatt einer der Milliarden Petunien hätte den Hauch
einer Chance.
Der
ersten Mittagshitze (30 Grad um 9:30) versuchten wir im Cafe des Museum Bait al
Zu .... irgendwas zu überstehen, ohne den Eintritt bezahlen zu müssen. Das war
schon eine kleine Herausforderung ans Personal, das das aber schnell in den
Griff bekam. Christine wollte noch immer nicht begreifen, dass man beim
Bestellen von Kaffee hier nur Nescafe bekommt, während ich mit dem çay ganz
zufrieden war.
Um 1/2
12 machten wir uns dann auf den Weg zum Nobel-Hotel Al-Bustan Palace. Die
Strecke ließ sich trotz Hitze ganz locker fahren, schade allerdings: Hotel
wegen Renovierung geschlossen! Auf dem Rückweg bogen wir zum Yachthafen ab und
saßen in der Bar am Pool und schließlich in demselben.
Nachmittags
dann über die alte Passstraße von Muscat nach Mutrah, nicht ganz so spektakulär
wie angekündigt, aber wieder ein Stück Autobahn gespart.
Abends
wieder auf der Corniche gesessen und einen large Fruit Juice getrunken. Im Suk
decken wir uns mit diversen Tüchern ein.
18.11.07
Indisch Essen, Fanja.
Mittags um 1/2 1 bereits knappe 70 km geschafft, allerdings muss man gestehen, dass die letzte Stunde ein einziger Überlebenskampf gegen den aufkommenden Sonnenstich war. Aber alle Hoffnungen auf einen Rastplatz hatten sich in der flimmernden Hitze wie Fata Morganas aufgelöst.
Leider
kann man die Radtour heute nur als ausgesprochen ernüchternd bezeichnen, was
die Tourentauglichkeit des Landes angeht. Die Autobahn aus Mutrah heraus
sammelte nach und nach immer mehr Spuren und war irgendwann auf 10 -spurig
angewachsen, ohne das ich mir sicher bin, wirklich alle korrekt erkannt zu
haben, es könnten daher auch noch mehr gewesen sein. Ein solches Straßenknäuel
hätte Los Angeles alle Ehre gemacht! Fragt man sich woher die vielen Menschen
respektive Autofahrer kommen, denn es herrschte dichter Verkehr und hier und da
staute es sich sogar. Hatte das irgendwas mit dem National Day zu tun? Wer
weiß?
Die
große Moschee hatten wir fasst verpasst, die Anfahrt auf das mächtige Gebäude
hinter einem Palmenhain sollte leider das einzige beeindruckende Erlebnis hier
bleiben, denn sie hatte ganz schlicht zu.
Wir retteten uns nach unentschlossen Hin- und Her hinter einen kleinen "Foodstuff - Ladies Tailor - Barber Shop" Komplex und konnten ein zweites Frühstück auf dem Boden (vor einem öffentlichen Klo) organisieren.
Die Nebenstrecke nach Bidbid
entpuppt sich als völlig verseucht von Schwerlastverkehr. Da es auf den ersten
20 km auch keinen Seitenstreifen gab, war das teilweise verdammt kritisch. Für
Radfahrer wird hier nicht gebremst, aber gehupt!
Dann
wurde es besser und einsamer. Der Blick über die Wüste auf die schroffen Berge
sogar hie und da ganz nett. Die ganze Strecke durch keine vernünftigen
Hinweisschilder, versteht sich. Bei einem Zementwerk ein staubiger
Kreisverkehr, dessen Absperrzaun völlig demoliert ist, wahrscheinlich hat der
eine oder andere Zementlaster die Kurve nicht gekriegt. Aber aus einem Wasserschlauch
kommt das kostbare Nass um ein Eckchen des Rasens zu bewässern! Wir nutzen das
als willkommene Dusche.
Als wir
wieder auf der Nizwa -Autobahn waren, hatte uns auch der Mega-Verkehr wieder.
Kein Baum, kein Strauch, nur Mittagshitze, aber zunehmender Wind, der es ein
klein wenig erträglicher machte.
Im
Fernsehen laufen Ausschnitte von Hindi-B-Movies im Rahmen einer
Kino-Ratesendung eines indischen Senders. Wir essen Chicken Biryani, im
Unterschied zu den anderen Gästen nicht mit den Fingern.
19.11.07
Kurz
hinter Al-Afia.
Gestern
Abend unsere erste Zeltnacht in der Wüste. Auf dem Umweg durch die Samail-Oase,
der auf den ersten 10 km eine echte Enttäuschung war, dann aber hinter der
Abzweigung bei Luzugh in den heutigen Morgenstunden ein absolutes Highlight
wurde. 20 km durch eine Palmenoase, bei erträglichem Verkehr, angenehmster
Temperatur und atemberaubenden Ausblicken.
Dann
zurück auf die Autobahn Richtung Nizwa. Um 11 eine kleine Vor-Mittagspause in
Manal, immerhin ein nettes kleines Oasenörtchen allerdings ohne weitere Versorgungsmöglichkeiten,
war die Überwindung zum Weiterfahren schon verdammt groß. Dabei ist es heute
nicht einmal der Autoverkehr, vielmehr steigt die Strecke doch spürbar an, auf
endlosen Kilometern, es zieht sich wie Kaugummi.
20.11.07
Nizwa
Nun sind
wir endlich im ersten Luxushotel gelandet, 45 Rial ohne Frühstück. Hotel Falaj
Daris: Traumhafte Innenhöfe mit Pools. Morgen steigen wir dann zur 30 RO -
Klasse ab, um übermorgen wieder in der Null-Rial-Wüste zu übernachten.
Gestern
wurden wir in der Tat zu einem Mittagessen mit Reis und Huhn
eingeladen. Dazu mussten
wir in einem extra Gästezimmer Platz nehmen und worden dort
erstaunlicher Weise
zunächst ganz alleine gelassen. Erst nach dem Essen kam die
Tochter des Hauses
und mit ihr nach und nach alle 12 - 14 jüngeren
Familienmitglieder, so dass
sich ein geselliges Beisammensein entwickelte. Zum Glück sprach
sie ganz gut
Englisch, es wurde sogar im Lauf der Übung immer besser. Wie es
sich in
modernen Zeiten gehört, stand bald ein Laptop auf dem Teppich und
sie zeigte
uns Bilder vom Juni, als eine verheerende Flutwelle halb Muscat zerlegt
haben muss.
Danach kamen wir wieder zu den Familienfotos zurück. Die Fotos von
den Kindern kamen gut an, auch wenn wir die Ehepärchen-Rolle noch
etwas üben müssen.
Dann fuhren
wir pünktlich um 3 weiter Richtung Itzki und dank der schlechten Karten auch
gleich in einem riesigen Bogen auf der Autobahn drum herum. Als wir schließlich
doch noch den Abzweig nach Birat al-Mauz gefunden hatten, drohte es schon
dunkel zu werden. In einem Coffee Shop neben der üblichen Tankstelle bekamen
wir indische Hamburger. Die folgende Zeltplatzsuche war naturgemäß nicht mehr
von vielen Auswahlmöglichkeiten geprägt. Das Ergebnis eigentlich gar nicht so
übel, wenn nicht ein Schwarm Mücken sich die gleiche Stelle zum überwintern
gesucht hätte. Dabei hätte das Wadi kaum trockener sein können.
Das
Frühstück am heutigen Morgen fiel daher aus Angst vor den Blutsaugern erst
einmal flach, bzw. wurde hinter den "See der Bananen ( Birat
al-Mauz)" verlegt.
Es folgte nach dem Frühstück im herrlichen Wadi-Eingang
eine wenig erfreuliche Strecke auf der "alten Strasse" wie sie der
Reiseführer nannte. Toll, denkt man, eine kleine, ruhige Nebenstrecke. Leider
falsch, denn wo Allah ein Stück Asphalt verlegt hat, finden sich auch
abertausende Omanis, die mit ihren Autos in Höchstgeschwindigkeit darüber rasen
wollen. Leider hatte Allah hier auch den Seitenstreifen vergessen - dann wird
das Radfahren zur Hölle.
21.11.07
Nizwa
Da sitze
ich am kobaltblauen Swimmingpool und darf nicht hinein. Habe mir gestern Abend
an einer Rasenkante aus Beton den rechten dicken Zeh ziemlich eklig
aufgeratscht. Zum Glück liegt die Wunde an einer Stelle, die beim Radfahren
nicht stört und selbst die Sandalen haben dort keine Berührungspunkte.
Gestern
Abend war hier Barbecue am Pool, die Bäume mit glitzernden Lichterketten
geschmückt und alle Tische von Studiosus Reisen belegt.
Wir
hatten uns bereits mittags gegen 1 vom Hunger in die Stadt locken lassen und
bei einem Inder (wo sonst) Humus / Half Chicken mit leckerem Brot und Cola für
2.600 RO gegessen, also weniger als der Hälfte dessen, was eine Person hier im
Hotel fürs Glitzerbüffet hätte ausgeben müssen.
Kleiner
Nachteil der Aktion: Wir saßen in der totalen Mittagshitze in der Stadt. Man
macht sich ja kaum ein Bild davon, wie tot es dort um diese Zeit sein kann!
Gerade mal das Fort hatte auf, war aber auch nicht das reine Vergnügen. Auf den
mächtigen Turm konnte man sich wegen backofenartiger Temperaturen nur ganz kurz
wagen, der Rest der Anlage war unter Renovierung oder bereits steril auf
Hollywoodfassade verschönert. ("Beautification" nennt man das im Oman).
Frühestens ab
16 Uhr, eigentlich aber erst ab 5, erwacht die Stadt zu ungeahntem
Leben. Wir
besuchen das Internet Cafe und ich lese endlich mein Emails von der
Familie. Danach machen ich mich auf die mühsame Suche nach einer
Telefonkarte,
was so schwierig nicht hätte sein sollen, aber der Teufel steckt
eben im
Detail. Zuerst hatte ich mir nämlich eine Handy-Prepaid-Karte
andrehen lassen
und mind. 20 Minuten versucht, das Telefon damit auszutricksen. Zum
Glück
mischte sich irgendwann ein netter Omani ein und erklärte das
Missverständnis.
Dann nahm sogar der Shopkeeper die abgekratzte Pin-Karte zurück
und im
Nachbarladen bekam ich eine 2 RO smartcard. Jetzt fehlte zum Erfolg nur
noch
das kleine bisschen Erfahrung beim Einschieben - Warten - Wählen,
ohne das es
eben auch nicht funktioniert. Aber dann! Moderne Zeiten.
Am Abend
im Cybercafe gelingt mir das Unglaubliche: Ich finde eine Internetseite, die
von der Fertigstellung der Miskin - Rustaqh - Road berichtet und deren
Einweihung Ende 2006. Es fällt uns ob der Nachricht doch ein wenig ein Stein
vom Herzen, denn die Befahrbarkeit dieser Etappe war doch eher eine der
unbekannten Variablen in unserer Streckenplanung.
22.11.07
Mittagspause
am Jabrina Palast.
Heute Morgen mussten wir also die Luxuswelt der Nizwa-Hotels wieder verlassen, wozu wir auch zu den bekannten Aufstehzeiten (5:40) zurückgekehrt sind. Mit einem bereits bezahlten Frühstück hatten wir ja um diese Uhrzeit gar nicht gerechnet, das war erst für Langschläfer ab 7 angekündigt. Aber wir hatten Glück, es war alles vorbereitet. So saßen wir um 6:30 gut gefüttert auf den Rädern und folgten den Straße nach Bahla.
Die Strecke (44 km) teilte sich exakt in 2
Teile: Die ersten 22 km ging es ein Wadi hinauf, die zweite Etappe ein anderes
hinunter. Also zuerst mit der typisch omanischen Steigung von 2-3 % bergan, nie
schneller als 18 km/h, dann mit bis zu 27 Sachen auf Bahla zu, dass wir bereit
vor 1/2 10 erreichten. Auf den letzten Kilometern gelang es uns von der
Hauptstraße abzubiegen und von hinten durch die Oase ins Zentrum vorzudringen.
Diese Strecke gehört sicher zu den Höhepunkten des Tages! Ein magisches Licht
zwischen den Palmenhainen, Dorfatmosphäre, Ruhe, nette Eindrücke vom
Oasenleben. Dann kamen wir genau im Suk aus, bzw. vor der Fischhalle
desselben. Was sich dort abspielte kann man nur als Variante des
"Kettensägenmassakers" bezeichnen. Gleichzeitig diente es Millionen
von Insekten als Nahrungsquelle. Jeder Vertreter einer Gesundheitsbehörde hätte
bei diesem Anblick einen Schlaganfall erlitten. Der alte Suk - sagen wir mal,
soweit wir ihn gefunden haben - war recht nett, aber eher winzig und der
Tiermarkt bereits vorüber. Hinter der völlig überlasteten Hauptstraße dann
trohnte das mächtige Fort.
Wir
machten nach einer Pepsi noch einen zweiten Rundgang und uns dann aber auf den
Weg zu diesem Palast hier. Der liegt recht einsam in der platten Wüste, wird
von Touristenbussen aller Art angefahren, dabei auch eine omanische Schulklasse
und eine omanische Frauengruppe - letztere alle in Schwarz und bester
Partystimmung.
Jetzt um
die spätere Mittagszeit ist es hier ruhig und wie ausgestorben. Wir haben eine
Tütensuppe gekocht, jede Menge Datteln in uns hinein gestopft und warten nun
darauf, dass die Hitze nachlässt.
Später
Abends: Das wird
wohl als Ehrenrunde des Urlaubs in die Analen eingehen. Nach einem ansonsten
nämlich netten Gespräch mit einem Deutschen Touristen, fuhren wir ganz beherzt von der Hauptstraße weg in ein
wildromantisches Gebirgstal. Es dauerte leider gut und gerne 25 Kilometer, bis
wir unseren Irrtum realisierten. Zur Belohnung durften wir denn mal endlich den
Reis kochen, den wir schon seit Muscat mitschleppen und heute Nacht wohl
gänzlich ohne Autolärm schlafen. Morgen früh, versteht sich, fahren wir mal
eben diese 30 km zurück. Wäre uns dieser Lapsus nicht passiert, könnten wir
heute stolz auf 93 km zurück blicken, die wir trotz Besichtigungsprogramm
abgespult haben.
23.11.07
AL Ayn, nach dem
Freitagsgebet.
Mittags 1/2 1 und wir haben bereits 82 km abgerissen! Da steckte ein bisschen die Motivation hinter, die peinliche Scharte von Gestern wieder auszuwetzen. Zwar ergab sich, dass der Umweg "bloß" aus zweimal 22,5 km bestanden hatte, aber auch das ist ja nicht von schlechten Eltern.
Das Schlafplätzchen sollte übrigens eine Enttäuschung
werden. Was in atemberaubender Gebirgslandschaft bei beinahe Vollmond begann,
endete zunächst um 1/2 10 mit dem Auftauchen eines Jeep und lauten Stimmen. Ich
sprang, nur mit Hemd und Unterhose bekleidet aus dem Zelt und wurde freudig
begrüßt von dem netten Omani, der uns bereits nachmittags auf der Straße in ein
Gespräch verwickelt hatte. Er hatte noch 2 Freunde mitgebracht und zu viert hielten
wir also einen Smalltalk im Mondenschein, während mir die Mücken die Beine
zerstachen. Nach einer Viertelstunde verschwanden sie zwar wieder, aber die
Schlaf-Chemie war gründlich im Eimer.
Aber
zurück zum Tageslicht. Wir schossen also nicht nur bis zur Hauptstraße, sondern
gleich weiter und weiter, nur mit kleinen Softdrink-Pausen beim Foodstuff
-Lädchen. Der shopkeeper lud und gleich zum Kaffee ein, freute sich über ein
Schwätzchen und wollte nicht einmal Geld für die Pepsi, den Käse und das Brot haben.
Außer von seinen 13 Kindern aus 3 Ehen, berichtete er von einem geheimnisvollen
Bergvolk, das oben im Gebirge lebe und nie herunter komme. Einmal in der Woche
würden Nahrungsmittel per Hubschrauber dort hinauf geflogen, weil es keine
Straßen gebe. Ab dieser Stelle begann uns die Geschichte doch etwas seltsam
vorzukommen, aber er beharrte durchaus darauf.
Abends: ein magisches Plätzchen, das wir
hier zum Zelten gefunden haben, hoffen wir mal, das wir auch ungestört bleiben.
Heute
haben wir natürlich noch alle Rekorde gebrochen: 105 km!
Ich glaube für Christine war es der falsche Tag für solche Heldentaten, aber meine Kondition war heute fast unbegrenzt belastbar. Nach der Mittagspause bis kurz vor 3, wunderten wir uns zunächst über die unglaubliche Menge an Autos, die sich inzwischen bei der Moschee eingefunden hatten. Später stellte sich heraus, dass eine Beerdigung stattfand.
Unser kleiner Foodstuff, der uns vor der
Mittagspause so toll gerettet hatte, war nun völlig verrammelt und es blieb uns
nicht viel übrig, als erst einmal die Besichtigung der Gräber anzugehen. Auch
UNESCO Kulturerbe muss offenbar nicht unbedingt gut zugänglich oder gar
ausgeschildert sein. Wir mühten uns mit den bepackten Rädern im Flussbett ab,
anstatt die Sache gleich zu Fuß anzugehen. Auch die Hitze war um 3 noch
verdammt heftig. Die Gräber in der spektakulären Bergkulisse sind schon sehr
beeindruckend, vor allem, wenn man sich ihr Alter bewusst macht, 5000 Jahre!
Nun
standen wir allerdings ohne Wasser und mit unklaren Informationen über den Weg
da. Ein netter Omani half uns in beiden Dingen weiter. Aus den gestrigen
Erlebnissen haben wir durchaus gelernt nicht einfach einer Straße zu folgen
ohne zweimal nachzufragen.
24.11.07
Große Mittagspause in AL-Dariz.
Heute habe ich endlich den Vorsatz wahr gemacht und
bin zum Barber Shop gegangen. Die Erwartungen wurden nicht enttäuscht: 1 Stunde
rundum Wellness für grade mal einen Rial. Haare schneiden, Rasieren, massieren,
noch mal gegen den Strich, dieses Parfüm, jenes Parfüm....
Die vergangene
Nacht verbrachten wir neben einem kleinen Palmenhain, ein wirklich nettes
Plätzchen. Die Nacht blieb auch ruhig und angenehm, alles wäre perfekt gewesen,
wenn uns nicht die Ausrüstung etwas im Stich gelassen hätte: Meine Isomatte hat
mal wieder ein Loch und auf Christines Kocher war nichts zu kochen. Pumpe
funktionierte nicht mehr. Wir aßen also ein kaltes Mahl, was aber auch o.k. war
und am heutigen Morgen gab es eben keinen Tee sondern lediglich Wasser zu
trinken.
Positiv
überrascht waren wir dann, als nach ca. 25 km bereits der Abzweig nach Bat
folgte. Die kleine Oase war zunächst eine Enttäuschung, da uns weder Kultur,
noch Natur richtig interessieren wollten, sondern der Sinn nach Coffee Shop
stand. Den gab es mal wieder nicht, ein Foodstuff hatte zu. Wir machen aber
auch so eine angenehme, kleine Pause am alten Fort, unter schattigen Palmen.
Irgendwie hatte ich mir die Oase wesentlich größer vorgestellt, die Palmen
waren aber genau so rasch wieder zu Ende, wie sie angefangen hatten und es folgte
der zweite Teil des Örtchens, wo wir dann auch wieder Nahrungsmittel einkaufen
konnten.
Beim
Rausfahren suchten wir auch das Gräberfeld noch auf, es war wenig spektakulär,
man stand an einem langen Zaun und sah hier und da ein paar Steinhäufchen.
Um 10 kamen
wir dann in Al Dariz an, wo wir es endlich mal einen netten, luftigen Coffee
Shop fanden, bei dem man draußen sitzen kann, wo wir jetzt so langsam dem Mittagessen entgegen
trödeln.
25.11.07
Jeder
Berg hat ja einen realen und einen psychologischen Gipfel. Letzteren hatte ich
hinter Dariz überwunden. Der reale Gipfel folgte dann noch einmal 10 oder eher
20 Kilometer hinter Miskin.
Die
lange Mittagspause in Dariz gestaltete sich auf jeden Fall noch sehr angenehm.
Nach dem Aufenthalt beim netten Coffee Shop kauften wir noch Vorräte ein, zogen
dann um zur Moschee, wo es einen Bewässerungskanal gab, in den man hinein
steigen konnte. Das Wasser hatte locker 30 Grad, Fischchen schwammen darin und
wir wuschen ein paar Unterhosen. Die von Einheimischen Ferkeln weggeworfenen
Waschpulververpackungen enthielten sogar noch ausreichend Reste, die dieses
Unternehmen erleichterten. Nach den Haaren und dem Bart, geschahen nun also
auch noch erfrischende Dinge mit den Füßen und die Sandalen waren kaum wieder
zu erkennen.
Ich
konnte meine Isomatte untertauchen und das Loch finden. Mit einem kleinen Stück
Textilband ließ es sich tatsächlich abdichten, so dass ich in der vergangenen
Nacht wieder schlief wie Prinzessin auf der Erbse.
Die
Anfahrt auf Miskin führt über eine platte Ebene mit einer unwirklich anmutenden
Bergkulisse in der Ferne. Dann stieg die Straße merklich an und wir erreichten
kurz nach 1/2 5 das hübsch im Wadi gelegene Örtchen, dass nur unter der dicken
neuen Straße ziemlich zu leiden hat. Mit ausreichend Wasser- und
Essensvorräten, einem reparierten Kocher (der allerdings kein Benzin mehr
hatte, was wir noch nicht ahnten :-) fuhren wir noch eine Handvoll Kilometer
weiter, hinein in eine spektakuläre Bergwelt. Auch ein netter Schlafplatz fand
sich noch, nicht ganz so einsam, wie er zunächst aussah, aber gestört wurden
wir dennoch nicht.
Heute
Morgen dann das übliche Aufsteh-Zeremoniell ab 5:40, Dank neu geölter Pumpe
durfte man sogar auf einen Tee hoffen. Das wäre allerdings fast schief
gegangen, denn, wie gesagt, ohne Benzin tut es auch der tollste Kocher nicht
lange. Zum Glück hatte Christine die richtige Einschätzung, dass die Temperatur
des Wassers nämlich auch ohne 100% zu kochen, für den Tee ausreichen würde.
Nach dem
Frühstück wurde es dann ernst. Solche Steigungen (sie hatten aus Scham keine Prozente dran
geschrieben) hatten wir auf der ganzen Tour noch nicht gehabt! Schieben war da
angesagt! Erst ab 20 Kilometer beruhigte sich das ganze wieder, es ging sogar
viel bergab, allerdings hat diese Straße auch jetzt noch die Tendenz heftig in
kleine Wadis zu stürzen um sich hinten mit 15% wieder heraus zu quälen.
Auch die
Versorgungslage sah zunächst gar nicht gut aus! Erst bei 27 km kam der rettende
Foodstuff-Laden. Vorher hatten wir schon im Pförtnerhäuschen einer Schule eine
Art Not-Wasserration aufnehmen müssen. Überhaupt Schulen! Es fällt schon extrem
auf, welche Mengen an riesigen Schulkomplexen es hier gibt.
Aber irgendwo
müssen sie ja hin, mit ihren (im Schnitt 10 oder 12 Kindern).
Gegen 10
machten wir die letzte Pause vor dem Mittag in einer kleinen Bushaltestelle und
wurden von Musabah Ali Elabdi in Yaki gegen anfänglichen Widerstand zum Tee eingeladen.
Es folgte eine sehr nette einstündige Bewirtung, die auch deshalb so nett war,
weil wir uns in Punkto Dinner nicht überreden ließen. Und so lernten wir
natürlich einige Mitglieder der Familie kennen, vor allem das jüngste Baby,
aber auch kulinarische Köstlichkeiten wie Halwa, echten osmanischen Kaffee,
eine Art Milchreis, der aber eher auf Nudelbasis hergestellt schien und ein
krümeliges, hauchdünnes Brot.
Auch der
abschließende Blick über das Wadi mit seinen Palmengärten und der alten
verlassenen Stadt aus Lehmhäusern, den man direkt hinter seinem Haus hatte, war
sehenswert. Leider sind allerdings die mächtigen Berge heute hinter einem
starken Dunstschleier versteckt.
Rustaqh, früher als erwartet! Irgendjemand
hat uns 12 km erlassen, vermutlich die Differenz zwischen der alten Piste und
der neuen Asphaltstrasse. Das Hotel ist ganz o.k., leider haben sie die
Gelegenheit genutzt die Preise auf 20 Rial zu erhöhen.
Ich habe
seit heute Mittag eine Erkältung, die sich zunächst einfach in leichtem Fieber
äußert. Christine hat starke Schmerzen in der Achillesferse.
Man kann
also feststellen, dass wir das Ziel mit letzter Kraft nur erreicht haben.
Abends: Schöner Quatsch! Unser tolles
Hotel liegt nicht nur 3-4 km vor der Stadt, es liegt auch noch eine ekelhafte
50 Meter Steigung dazwischen, über die man auf einer autobahnähnlichen Straße
(ohne Seitenstreifen) fahren muss!
Dies und
die im Vergleich zu Nizwa recht herbe Atmosphäre der Stadt, haben bei Christine
schon dazu geführt, dass sie sie nicht mag. Ich denke, dass ist vielleicht eine
Spur zu schnell geschossen, aber es ist natürlich wirklich nicht Nizwa. Und was
haben wir alles auf das mystische Rustaqh projiziert, während wir uns Kilometer
um Kilometer darauf zu kämpften? Auch das Wohnen im Hotel kommt einem nach 4
Tagen Wüstenzelt beliebig paradiesisch vor.
In der
Stadt haben wir uns erst einmal den Bauch voll geschlagen mit shawarma +
Fritten + großen Fruchtbecher mit Eis drauf. Ich bin da immer besonders gut,
was "Augen wieder größer als der Bauch" angeht. Kaum hatte ich das
feiste Mal runter, bekam ich eine Durchfallattacke und zwar genau in dem
Moment, als ich meine Familie in Amerika anrufen wollte. Zum Glück saßen wir ja vor
einem Restaurant, so dass mir geholfen werden konnte. Zu dem Thema kann man ja nur
sagen: Wir essen und trinken ja ohne weitere Vorsichtsmaßnahmen alles, was uns
in die Finger kommt.
26.11.07
Rustaqh,
doch nicht so übel. Nachdem wir heute Morgen ganz nett in einem kleinen Coffee
Shop gefrühstückt hatten (das Hotel hatte natürlich keines) fuhren wir per Taxi
in die Stadt.
Dabei
kamen wir auf dem Weg zum Haupteingang des Fort, auch am alten Suk vorbei, der
zwar nur noch so ca. 10% seiner Läden hat, der Rest ist völlig zerfallen, aber
auch die wenigen verbliebenen lohnt es sich zu besuchen. Das Beste war ein
Räumchen, in dem die Männer saßen und Säbel, Dolche sowie Gewehre gehandelt
wurden. An anderer Stelle wurde Kaffee geröstet und man konnte einen Schmied
bei der Arbeit beobachten. Man sieht dem ganzen Gelände an, dass es in Kürze
sicher komplett abgerissen wird, einen neuen Suk haben sie ja längst
errichtet. Dem Alter der Ladeninhaben nach zu urteilen, könnten die letzten
Unbeugsamen vielleicht auch einfach aussterben.
Dann
besichtigten wir das Fort. (Würde mich nicht wundern, wenn wir die einzigen
Touristen heute blieben, gesehen haben wir jedenfalls noch niemanden). Die
Anlage ist gewaltig. Zum Glück haben sie sie nicht ganz so steril restauriert,
wie in Nizwa, es ist durchaus etwas Patina geblieben. Die Anordnung der Gänge,
Räume und Treppen dieser Festung ist verwirrend. Wenn der Feind so etwas
tatsächlich mal erobern sollte, würde er sich wahrscheinlich drin verlaufen.
Dann
machten wir uns (zu Fuß!) auf den Weg zu den heißen Quellen Ain al Kahsaf. Die
2 km ließen sich ganz gut bewältigen, die Quellen mit ihren Becken (50 Grad!)
waren ganz nett, alles ziemlich in die Jahre gekommen, vor allem der
Picknickplatz nebenan. Aber das Ministerium für Tourismus ist schon mit einem
"Upgrade" beschäftigt, man sieht Umkleidekabinen oder Badehäuschen
kurz vor der Fertigstellung. Dann, zurück in der City, bei einem indischen
Stoffladen, lasse ich mich von Christines Souvenirsuche und dem bunten
Farbenrausch der Sari-Stoffe mitreißen und kaufe einen wunderschönen blauen
Sari für 8 RO, Christine schließlich im nächsten Shop einen Omani-Hut für 7.
27.11.07
Nakhl. Die 60 km vor der Mittagspause
haben Christine heute den Rest gegeben. Es gab aber auch einfach nichts auf
dieser Etappe, außer Al Awabi nach den ersten 20 km (bergauf mit ca. 3%). Dort
schlugen wir uns in einem Restaurant mit einem kompletten Omelett-Frühstück die
Bäuche voll. Das half ihr immerhin aus dem ganz tiefen Loch, mir zu voller
Fitness und größtmöglichen Spaß an den folgenden Kilometern. Dazu gönnte ich
mir noch eine halbe Stunde Musik aus dem mp3 Player, was will man mehr?
Doch auf
den letzten 20 km wurde es etwas blöd, dadurch, dass gar kein brauchbarer
Rastplatz mehr folgte. Es blieb zuletzt nur noch durchziehen, während wir das
Ziel bereits 14 km vor dem Erreichen am Rande der riesigen Ebene liegen sehen
konnte.
Christine
machte dann auch 800m vor dem Fort schlapp und blieb einfach unter dem nächsten
Baum am Straßenrand sitzen.
Jetzt hat die Mittagshitze begonnen und wir haben uns erst einmal in einen kühlen, gemütlichen Raum im Fort auf Kissen niedergelassen.
Hier sind auf einmal
wieder Touristen ohne Ende! Wahrscheinlich haben wir eine gute
Tagestour-Entfernung nach Muscat (sind gut 100 km von hier) erreicht.
Abends:
Irgendwie können wir nicht mehr unter 80 km. Heute sind es wieder 83 geworden.
Aber dieses äußerlich sehr ansprechende Nakhl konnte man atmosphärisch nicht
lange ertragen! Nervende Jugendliche, Steine werfende Kinder und ein seltsamer
Kontrast zwischen der edel sanierten Burg und dem Rest des Ortes. Unsere
Hoffnung, man könne vielleicht irgendwo bei den heißen Quellen zelten,
zerschlug sich wirklich rasch. Das Wadi Hamam war ein rechter Rummelplatz und
gleichzeitig Baustelle. Das war zwar spaßig anzusehen, wie ganze Großfamilien
hier zum Picknick anrückten, aber Ruhe hätte man so leicht nicht gefunden.
28.11.07
Wir
hatten uns entschlossen eine Nebenstrecke Richtung Seeb zu fahren, also schräg
an Barka vorbei. Die Kategorie von Straße überfordert eigentlich unsere Karte,
aber auch die lokalen Behörden, die Hinweisschilder aufstellen müssen.
Konsequenter Weise verfuhren wir uns bei erster Gelegenheit und landeten im
hübschen Örtchen Al Ajal, wo wir die Moschee ansteuerten um die zur Neige
gegangenen Trinkwasservorräte aufzufüllen. Das führte zum nettesten Kontakt,
den wir im ganzen Urlaub hatten und zur Bekanntschaft mit Mustafa, dem Imam des
Dorfes und seiner Frau Bedrije, Englischlehrerin. Die 2 Stunden, die wir bei
ihnen verbrachten waren wirklich anregend und spaßig zugleich, man spürte
gleich eine gemeinsame Wellenlänge.
Mit einer guten Wegbeschreibung und persönlichem Geleit zum Ortsausgang und bepackt mit Geschenktüten (u.a. 2 kg Datteln!), fuhren wir schließlich gegen 1/2 10 weiter. Die gnadenlose Mittagshitze, in die wir nun unvermeidlich kommen mussten, wurde durch einen ständig stärker werdenden Nordwind vertrieben, der aber natürlich das Vorwärtskommen sehr mühsam machte.
Mittags kamen wir dann an den Nassem
Park, so eine Art Rheinaue des Oman. Wir hatten Glück, dass gerade Ferien sind,
weil er nämlich sonst erst am Spätnachmittag geöffnet hätte. So konnten wir
während der Siesta schön auf gepflegtem Rasen ausspannen und den omanischen
bzw. Indischen Familien beim Picknick zusehen. Da es heute, wie gesagt sehr
windig war, brauchten wir es mit der Ruhezeit sowieso nicht so konsequent wie
sonst zu nehmen und konnten bereits gegen 2 Uhr weiter fahren.
29.11.07
Mutrah
Unseren
letzten Tag verbringen wir also an der Promenade von Mutrah. Jetzt, gegen 3,
ist es im Schatten tatsächlich windig und zu kühl fürs T-Shirt! Der Thermometer
in der Reklametafel zeigt auch nur noch 26 Grad.
Mittags
hatte Christines Kocher seinen letzten Auftritt und schaffte es, punktgenau mit
dem vorhanden Benzin aus dem verbliebenen Reis, einer Zucchini, Tomaten und
einer Dose Thunfisch ein leckeres Mittagessen zu kochen. Dann, wie gesagt, ging
ihm wieder der Sprit aus, der meinem Gefühl nach noch für mindestens 10 Stunden
hätte reichen müssen.
Heute
Morgen beim Frühstück kamen wir mit einem Paar aus Bayern ins Gespräch, die mit
dem Auto von Dubai aus gestartet sind. Verständlich, dass sie an Christines Rad
kein Interesse zeigten. Auch der nette Alleinreisende Herr am Nebentisch wollte
es nicht spontan (geschenkt) haben. Bin wirklich gespannt, wie sich dieses
Rätsel heute Abend auflösen wird. Wir haben beide Räder gestern einfach auf den
Parkplatz des Airport geschoben, abgeschlossen und stehen lassen. Hoffentlich
haben die keine übereifrigen Parkplatzwächter dort!
Die
gestrige Fahrt mit dem Taxi zum Corniche Hotel hatte uns die Gegend sozusagen
noch einmal in ganz neuem Licht gezeigt, nämlich erleuchtet von Millionen von
Lichterketten, die Autobahnmittelstreifen, alle Brücken über dieselbe, aber
auch riesige Shopping Malls links und rechts schmückten. Irgendwie ist immer
noch National Day oder so eine Art Ferien, die es nach diesem Feiertag gibt.
Es ist
nicht ganz leicht so einen letzten Urlaubstag stimmungsmäßig nicht abgleiten zu
lassen in ein vorgezogenes Warten auf den Abflug. Man hat kein Hotelzimmer
mehr, in das man sich zurückziehen könnte um ein kleines Nickerchen zu halten,
man hat nicht wirklich was zu tun und 12 Stunden sind eine lange Zeit. Man
beschäftigt sich in Gedanken natürlich schon mit den Tücken des Einchecken,
auch wenn man ganz cool tut oder die Gedanken schweifen ab nach Hause zu dem
winterlichen Herbstwetter, das uns empfangen wird.
30.11.07
Im
Flieger nach Istanbul. 6 Uhr Ortszeit Muscat.
Ja, die
Tücken des Einchecken. Eigentlich wären sie nicht so groß gewesen, hätte nicht
mein Lenker den Spaß verdorben. Er ließ sich nämlich mal wieder nicht zu Seite
drehen. Auch die gröbste Gewalt, die ja bekanntlich leicht zu einer gebrochenen
Vorderradachse führt, halft nicht, er blieb bei 45 Grad und das war’s. Ich kam
dann in meiner allerletzten Verzweiflung auf die Idee, die Lenkstange selbst zu
lösen und das Ergebnis war immerhin vertretbar. (Der Stress erinnerte aber an
das, was Christine mit ihrer Pedale vor dem Hinflug erlebt haben muss.)
Sie
hatte jetzt aber solcherart Probleme gar nicht, denn folgende erstaunliche
Szene hatte sich noch vor dem Flughafenterminal abgespielt: Ich war kurz auf
der Toilette gewesen, kam zurück und fand Christine umringt von einer Gruppe
Inder, alle bei bester Laune. Sie hatte es tatsächlich geschafft ihr Rad für 10
Rial (20 €) zu verkaufen! Nicht so schlecht, nachdem wir innerlich bereits auf
Verschenken als letztes Mittel eingestellt waren. Der Wehrmutstropfen folgte
dann allerdings beim Einchecken: Irgendwie nicht richtig informiert oder
einfach gerade sehr kulant eingestimmt, sahen die Vertreter von THY davon ab,
mir die angedrohten 60 € fürs Fahrrad abzuknöpfen! Die Rechnung: besser 10 Rial
verdient als 60 € für den Transport ausgegeben, stimmte also zu unserer Verblüffung
plötzlich nicht mehr.
Was
gestern Abend noch geschah:
Wir
waren abends um 7 mit dem Taxi zum Flughafen gefahren und hatten mit etwas Mühe
auf den Isomatten ausgestreckt die eine oder andere Stunde unruhigen Schlaf
gefunden. Ununterbrochen wurden Flüge zu allen vorstellbaren Städten in Indien
ausgerufen, in einer Lautstärke, gegen die auch Ohropax keine Chance hatte.
Dabei war es taghell und die Klimaanlage erzeugte eine ungemütliche Mischung
aus kalten Luftströmen und allgemeiner Schwüle. Aber, wie gesagt, irgendwann
übermannt einen die Müdigkeit doch. Aufwachen dann um 1/2 3, einchecken und
dann, in der Ablughalle: der erste italienische Kaffee von nicht nur unglaublicher
Größe, sondern auch perfekter Qualität!